Schwierige Anfänge und schmerzliche Erfahrungen
in der Volksschule

Georg Györfi beschreibt, wie er kein Deutsch sprechen konnte, als er nach der Vertreibung aus Ungarn nach dem Durchgangslager in Herrenberg ankam und deswegen die erste Klasse wiederholen musste. Eindrücklich schildert er, wie er von einem Lehrer geschlagen wurde, weil er den Buchstaben “P”, wie er es in Ungarn gelernt hatte, gerade und nicht rechtsgeneigt geschrieben hat, und sich nicht erklären konnte, da er der deutschen Sprache nicht mächtig war.

Vertriebene aus Ungarn wurden in den Ankunftsgebieten nicht selten als „Zigeuner“ bezeichnet.

Ich musste nochmal in die erste Klasse. Ich war zwar ein Jahr lang in Hercegfalva schon in der Schule gewesen, konnte eigentlich schon lesen und rechnen, das war kein großes Problem, aber ich konnte kein Deutsch, kein Wort Deutsch. Und man ist halt in die Schule gegangen. Ja, es war tatsächlich so, dass auch die Schwabenkinder (Satzinhalt nicht verständlich) waren, natürlich auch. Alles war schwierig, zum Beispiel eine Schiefertafel zu besorgen. Und wir? „Zigeuner“ so hat man uns damals genannt.

Wir Flüchtlinge oder Vertriebene bekamen sogenannte „Idiotentäfele“. „Idiotentäfele“ deshalb, weil die kleiner waren als die der Einheimischen. Wir konnten ja keine Hausaufgaben machen. Also meine Hausaufgabe bestand darin, auf der einen Seite der Tafel die Rechnungen zu machen, das konnte ich ja machen, ohne groß zu verstehen, was die Lehrerin erzählt hatte. Und die andere Seite der Tafel habe ich beschrieben mit dem, was sie an die Tafel geschrieben hatte als Hausaufgabe. Also: „Im Lesebuch Seite 17 Zeile soundso bis soundso einfach die Tafel damit gefüllt. Da war nichts anderes zu machen.

Jetzt erinnere ich mich an etwas, das war mein schlimmstes Schulerlebnis. Wir haben in Ungarn auch eine Schönschrift gehabt, natürlich, aber die war anders als die in Deutschland. Man hat ganz senkrecht geschriebene und nicht nach rechts geneigt, wie die Schönschrift in Deutschland. Und ich bin in den alten Trott zurückgefallen und weiß noch, wie ich in meinem Heft eine Reihe große P geschrieben habe, aber nicht nach rechts geneigt, sondern gerade, also senkrecht. Und da kam der Lehrer und hat mir eine runtergehauen. Und ich konnte mich nicht wehren, ich konnte ja nichts sagen, nicht wahr, ich habe halt diese Zeile geschrieben und falsch und wurde dafür meinem Gefühl nach brutal bestraft.

Wir hatten aber eine nette Lehrerin. Die hat sich dann große Mühe gemacht mit ganz primitivem Unterricht. Sie hob ein Glas an und sagte: „Das ist ein Glas.“ So haben wir gelernt. Oder: „Das ist der Schrank.“